10/05/2025

Schreiben nach Hanau

Infotext zum Projekt

SEIT 19/02/20 HANAU

Seit dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 ist eine Vielzahl an Texten entstanden. Menschen haben ihre Gedanken, ihre Trauer, ihre Wut, ihre Fragen festgehalten – direkt nach der Tat oder mit Abstand. Sie haben sich Gehör verschafft und ihre Stimmen erhoben um die schreckliche Tat und die Vorkommnisse die darauf folgten zu verarbeiten, aber auch um den Rassismus in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen. Das unermüdliche Sprechen über den 19. Februar 2020, insbesondere durch die Angehörigen und Überlebenden, hat den gesellschaftlichen Diskurs verändert und damit auch das Schreiben über rassistische Gewalt und Strukturen. Deshalb werden Texte die seit dem 19. Februar entstanden sind auf seit-hanau.de 
gesammelt. Die Website ist ein offenes Archiv, das weiter wächst. Denn das Erinnern an Hanau ist kein abgeschlossener Prozess. Täglich melden sich neue Stimmen zu Wort die ihre Kraft und ihre Stärke aus dem schöpfen was seit dem 19. Februar aufgearbeitet, aufgedeckt, besprochen, diskutiert und schließlich aufgeschrieben wurde.

Das Projekt SEIT 19/02/20 HANAU schafft Raum für diese Stimmen. Es soll zeigen wie Schreiben zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung beiträgt und wie Plakate dazu dienen diese in den öffentlichen Raum zu tragen. Es bringt Texte und Plakate zusammen, die im öffentlichen Raum platziert werden können – auf Straßen, in Schulen, auf Veranstaltungen. Ganz bildlich soll so die eigene Stimme sichtbar werden und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit auslösen. Die Plakate sind modular aufgebaut, einfach zu reproduzieren und frei zugänglich. So können viele mitgestalten, unabhängig von Erfahrung oder Mitteln. Jede Stimme zählt – ob von Schülerinnen, Wissenschaftlerinnen, Bürgerinnen oder Aktivistinnen. Was zählt, ist der Beitrag zum gemeinsamen Nachdenken. Die Texte erzählen aus verschiedenen Perspektiven, lassen unterschiedliche Erfahrungen nebeneinander stehen. Sie bilden ein kollektives Gedächtnis. Die modularen aneinander anschließenden Plakate stellen dabei den Diskurs dar: jede Person trägt mit dem Erinnern, Sprechen und Schreiben seinen Teil zur kollektiven Erinnerungskultur und der Aufarbeitung des 19. Februars bei. Ein Gedanke wird aufgenommen, in Text verarbeitet und wieder von den nächsten Stimmen weitergedacht.

Ab 2026 lädt das Projekt in Workshops dazu ein, eigene Gedanken aufzuschreiben oder mit bestehenden Texten zu arbeiten. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sollen hier die Möglichkeit bekommen, sich einzubringen – auch jene, die bisher wenig Raum dafür hatten. Die Umsetzung ist bewusst niedrigschwellig: kein Vorwissen nötig, kein großer Aufwand, aber die Chance, gehört zu werden.

SEIT 19/02/20 Hanau begann als Diplomabschlussprojekt an
der Hochschule für Gestaltung Offenbach. 2026 wird das Projekt teil der World Design Capital Frankfurt Rhein-Main werden. Wer an einer Zusammenarbeit interessiert ist, Fragen hat
oder das Projekt unterstützen möchte, kann unter info@hanau.de Kontakt 
aufnehmen.

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